Free Visit 2016, St. Salvator Kirche, Prag (CZ)

Free Visit 2016

Roter Teppich, am Boden und über den Köpfen, umfängt die Besucher und
Gläubigen beim Betreten von St. Salvator. Der sich kurz hinter dem Haupteingang
befindliche niedrigste Punkt einer monumentalen Raumkurve scheint sie zu Boden
zu drücken, um beim weiteren Fortschreiten auf dem Teppich die Blicke in die
Höhe der Vierungs-Kuppel gleiten zu lassen. Ihren eigentlichen Kulminationspunkt
erfährt die Arbeit jedoch vor der Stufe zum Hochaltar. Hier berühren sich irdische
und himmlische Sphäre, während der Altar ausgeblendet wird.

Die Arbeit folgt in ihrer Konzeption der traditionellen Verhüllung von Altären zur
Fastenzeit. Hierbei negiert sie einen der Liturgie gemäßen Farbton, stellt aber den
Priester bei Ausführung des Hochamtes in den Mittelpunkt des Geschehens.

Mit einer aus dem Grundriss abgeleiteten, axialen Ausrichtung eignet sich die
Arbeit die barocke Dramaturgie des Kirchenraumes und die der Architektur
unterlegten Schablonen geometrischer Raumkonzepte der Renaissance- und
Barockarchitekten an. Durch einen minimalen Eingriff, die überbordende
Ausschmückung des Kirchenraums durchschneidend, erscheint der Kirchenraum
in einem völlig anderen Licht.

Die Kritik von Donald Judd und Robert Morris an der europäischen Kunst des
20. Jahrhunderts, unter Hinweis auf ihre Ursprünge in der Kunst der Renaissance
und des Barock, kommt mit der Arbeit zur Anwendung und erfährt eine Art
Auflösung. Der Kirchenraum als Kunstwerk und der Raum des Betrachters stehen
sich nicht mehr unvereinbar gegenüber, sondern durchdringen sich gegenseitig.

Material:  roter Teppich, Aluminium-Profile, Stahlseile