Das Haus 2015, Gerhard-Marcks-Haus, Bremen

Das Haus 2015

Auszug aus "Die Aktivierung des Objekts" (siehe texte)

Beim Anblick des klassizistischen Portikus’ des Museums wird dem
potenziellen Museumsbesucher bereits im Stadtraum deutlich, dass die
Ausstellung Christian Helwing: Marcks und das Museum nicht erst dann
beginnt, wenn die Eintrittskarte gelöst wurde. Der eigentlich funktionale
Eindruck geht durch die von Helwing angebrachte räumlich versetzte schwarze
Farbfassung in ein begehbares rhythmisches Bild auf. Betritt nun der Betrachter
tatsächlich die Säulenvorhalle, betritt er nicht mehr nur ein Museum, in dem
Skulpturen ausgestellt werden, sondern er wird durch sein Durchschreiten des
Portikus’ bereits Teil dieser umfassenden Raumskulptur. Konsequent ist auch der
"Museumsladen" im angrenzenden Kassenbereich seiner Funktion enthoben und
nur noch bleicher Schattenriss seiner selbst. Der Künstler Christian Helwing setzt
mit diesem Auftakt deutliche Signale und weist zugleich auf eine komplexe
Auseinandersetzung hin, die nicht nur zwischen den Gattungen Skulptur und
Architektur ausgetragen wird, sondern auch zwischen dem skulpturalen Werk von
ihm und Gerhard Marcks und die letztendlich – vielleicht sogar primär – das
Zwiegespräch von Besucher und Werk sucht.

Indem Christian Helwing das Museum nicht als neutrale Hülle akzeptiert, in der
ausgestellt wird, sondern diese zu einem wesentlichen Bestandteil seiner Kunst
macht, verschiebt sich der Fokus von der "Betrachtung" von Kunst auf ein
"Erleben" von Kunst.  Yvette Deseyve

Material:  Säulenvorhalle des Gerhard-Marcks-Hauses, schwarze Folie